Meldungen aus dem Landesverband Hessen

Eine Namenstafel für jeden Toten

Gedenkfeier und Projekteinstieg in Kassel-Niederzwehren

Der Namensziegel für den russischen Kriegsgefangenen Wladislaw Bulka, der auf der Kriegsgräberstätte Niederzwehren angebracht wurde. Maike Bartsch

„Für welche Werte, welche Ziele würden wir heute in einen Krieg ziehen?“ Mit dieser Frage hatten sich Schüler der Max-Eyth-Schule Kassel beschäftigt, nachdem sie zusammen mit Dr. Bettina Dodenhoeft von der Regionalstelle Hessen Nord dem Schicksalen der teilweise sehr jungen Männer nachgespürt hatten, die auf der Kriegsgräberstätte in Kassel-Niederzwehren begraben liegen.

In einem ummauerten Bereich auf der linken Gräberstätte haben Briten und Angehörige der Commonwealth-Staaten ihre letzte Ruhestätte gefunden. Auf einem rechten, unter schattenspendenden Bäumen gelegenen Areal sind es osteuropäische Männer, die einst im ersten Weltkrieg in der Armee des russischen Zarenreichs gekämpft hatten. Russen sind ebenso darunter wie Polen, Balten, Ukrainer und andere. In Niederzwehren waren sie im Gefangenenlager interniert. Gestorben sind sie zumeist an Entkräftung und Hunger, Typhus und anderen Krankheiten.

Konnten sie sich damals mit den Kriegszielen identifizieren? Was waren ihre Wünsche, ihre Hoffnungen, ihre Überzeugungen? Natürlich führen diese Fragen auch weiter zu dem aktuellen Krieg in der Ukraine. Die Berufsschüler aus Kassel hatten im Rahmen eines Projekttags nicht nur inhaltlich gearbeitet, sondern auch Tonziegel hergestellt, die den bislang namenlos Bestatteten ihre Identität zurückgeben sollen.

 

Während eine Schülergruppe diese Inhalte eines Bildungsmoduls präsentierte, das der Landesverband Hessen im Volksbund seit einiger Zeit für die Kriegsgräberstätte in Niederzwehren anbietet („Wir schreiben Eure Namen“), waren andere Schüler der Max-Eyth-Schule gekommen, um ihre Metallarbeit der Öffentlichkeit zu übergeben. Über Monate hinweg hatten Andrej Wagenleiter, Florian Günther und Arfang Fayes aus der Abschlussklasse des metallverarbeitenden Zweigs der Kasseler Berufsschule unter Anleitung ihres Lehrers Wolf Kunert ein Stahlgestell geplant, entwickelt, gebaut und aufgestellt, das nun feierlich eingeweiht wurde. Das Gerüst wird demnächst von jüngeren Schülerinnen und Schülern nachgebaut und in Reihe produziert. Alle  Tontafeln, die im Laufe der Jahre von Schul- und anderen Gruppen gefertigt werden, können so auf der Gräberstätte ihren Platz bekommen.

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle bedankte sich in seiner Funktion als Volksbund-Kreisvorsitzender für die Leistungen der Schüler und für die Erinnerungsarbeit vor Ort. Staatsminister a. D. Karl Starzacher, Landesvorsitzender im Volksbund, machte darauf aufmerksam, wie wichtig emotionale Betroffenheit sei, um Kriegsleid nachzuspüren. Gängiger Ansatz der Bildungsarbeit im Volksbund ist es, aus der Masse von Weltkriegsopfern einzelne Schicksale herauszuarbeiten. Markus Otto, Leiter der Max-Eyth-Schule, und Schulpfarrer Torsten Eisenträger betonten in ihren Redebeiträgen die zunehmende Wichtigkeit friedenspädagogischer Arbeit im Unterricht gerade seit Beginn des Ukraine-Krieges. Stadtdekanin Barbara Heinrich reflektierte über die Bedeutung eines eigenen Namens für jedes Individuum und sprach abschließend das Totengedenken.

Für die Finanzierung der Metallaufsteller, die in Niederzwehren in Zukunft die Namen der Toten festhalten sollen, werden noch Spender gesucht. Ein Gerüst wird 690 Euro kosten. Im Laufe der Zeit müssten bis zu 30 Stück gebaut werden, damit alle Verstorbenen ihre Namen zurückbekommen.

Haben Sie Interesse an unserem Projekt oder möchten Sie die Bildungsarbeit des Landesverbandes Hessen unterstützen? Dann melden Sie sich bitte unter Tel. 0561 7009-103 oder hessen.nord@volksbund.de.

Text: Maike Bartsch

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