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Meldungen aus dem Landesverband Hessen
Meldungen aus dem Landesverband Hessen

Feierstunde an der Bergstraße

Der Volksbund in Hessen präsentiert Ergebnisse seiner historischen Forschung

Viola Krause, Volksbund Hessen

Eine neue Informationstafel dokumentiert die aktuellen Forschungsergebnisse des Volksbunds in Hessen zur Kriegsgräberstätte Bensheim-Auerbach. Der Friedhof im Landkreis Bergstraße – eine der größten Kriegsgräberstätten in Hessen – war 2025 bereits zum zweiten Mal Schwerpunktthema im Forschungsprojekt, mit dem der hessische Landesverband seit 1999 die Geschichte der Kriegsgräberstätten aufarbeitet. 

In einer Feierstunde am 27. März 2026 wurde die Informationstafel öffentlich vorgestellt und der Obhut der Stadt Bensheim übergeben.

Erinnerung an das Kriegsende 1945

Das Datum für die Übergabe der Informationstafel war nicht zufällig gewählt. 81 Jahre zuvor, am 27. März 1945, ging an der Bergstraße mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen der Zweite Weltkrieg zu Ende. „Der Friedhof, auf dem wir uns heute versammelt haben, ist eine mahnende Erinnerung an diesen Krieg“, sagte der Landesvorsitzende des Volksbunds in Hessen, Staatsminister a. D. Karl Starzacher, in seiner Ansprache.

Auf der Kriegsgräberstätte Bensheim-Auerbach ruhen annähernd 2.000 Tote des Zweiten Weltkriegs. Die meisten von ihnen waren deutsche Soldaten, die kurz vor Kriegsende bei Kämpfen mit der US-Armee in Süddeutschland getötet wurden. Auch 600 ausländische Tote sind hier begraben, vor allem Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, sowjetische Kriegsgefangene und „Displaced Persons“.

„Wir hoffen, dass die Geschichte der Kriegsgräberstätte und die Schicksale der Menschen, die hier bestattet sind, mithilfe unseres Informationsangebotes für die Besucherinnen und Besucher – vor allem für junge Menschen – leichter zugänglich sein werden“, sagte Karl Starzacher. „Vielleicht weckt es auch das Interesse von Menschen, die zufällig hier vorbeikommen, und regt sie dazu an, sich mit der Kriegsgräberstätte auseinanderzusetzen.“

Schwerpunktthema 2004 und 2025

Die Kriegsgräberstätte Bensheim-Auerbach wurde bereits früh im Forschungsprojekt des hessischen Volksbunds bearbeitet. In einer ersten Arbeitsphase wurden wesentliche Ergebnisse der Recherche auf einer Informationstafel dokumentiert. Die Tafel wurde zum Volkstrauertag 2004 der Öffentlichkeit übergeben. Die Forschungsergebnisse von 2004 wurden 2025 überprüft, erweitert und vertieft. Der aktuelle Forschungsstand ist nun auf der neuen Informationstafel dokumentiert.

Informationstafel mit Lageplan und QR-Code

Die Informationstafel von 2026 enthält auch einen neuen, gegenüber der älteren Version korrigierten Lageplan. Rote Punkte auf dem Plan zeigen an, in welchen Gräbern des Friedhofs Menschen bestattet sind, deren exemplarischen Schicksalen im Forschungsprojekt nachgegangen wurde. Ein QR-Code auf der Tafel führt auf die Internetseite des Volksbunds in Hessen. Hier sind die Einzelschicksale ausführlich dokumentiert, ebenso weitere Forschungsergebnisse, die über die Angaben auf der Tafel noch hinausgehen. Erarbeitet wurde der aktuelle Forschungsstand von Dr. Götz Hartmann, der als Historiker das Forschungsprojekt betreut.

Würdigung durch die Bürgermeisterin

„Die Menschen, die hier begraben liegen, stehen stellvertretend für unzählige Schicksale: für verlorene Lebenswege, für zerstörte Familien und für eine Zeit, in der Menschlichkeit allzu oft versagte“, sagte Christine Klein, Bürgermeisterin der Stadt Bensheim. Die Bürgermeisterin würdigte in ihrer Ansprache die Arbeit des Volksbunds: „Sein Engagement sorgt dafür, dass die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft nicht in Vergessenheit geraten.“ 

„Durch die Pflege der Gräber, durch Forschung, Bildungsarbeit und internationale Begegnungen leistet der Volksbund einen unverzichtbaren Beitrag zur Erinnerungskultur und zur Friedenserziehung – auch hier in Bensheim. Für diese Arbeit spreche ich im Namen der Stadt unseren herzlichen Dank aus.“

Christine Klein, Bürgermeisterin der Stadt Bensheim

„Fordert uns heraus“

Der Kreisvorsitzende des Volksbunds im Landkreis Bergstraße, Landrat Christian Engelhardt, der aus terminlichen Gründen nicht an der Feierstunde teilnehmen konnte, wurde durch die Erste Kreisbeigeordnete Angelika Beckenbach vertreten. 

In ihrer Ansprache richtete Angelika Beckenbach die Grüße des Kreisvorsitzenden aus und wies auf die Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit einer Kriegsgräberstätte hin, auf der neben deutschen Soldaten etwa auch Kinder von Zwangsarbeiterinnen bestattet sind:

„Das fordert uns heraus. Es verlangt, genauer hinzusehen und Zusammenhänge zu verstehen. Die neue Informationstafel leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Sie hilft, diesen Ort noch besser zu begreifen.“

Angelika Beckenbach, Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Bergstraße

Führungsangebot am 8. Mai 2026

Eine Gelegenheit zu Einblicken in die historische Forschung des Volksbunds in Hessen bietet sich am Freitag, dem 8. Mai 2026, um 15 Uhr. In einer Führung über die Kriegsgräberstätte Bensheim-Auerbach informiert Dr. Götz Hartmann über die Geschichte des Friedhofs und stellt exemplarische Schicksale hier bestatteter Toter vor.

Organisatorische Hinweise: Damit die Führung stattfinden kann, ist eine Mindestteilnehmerzahl erforderlich. Bitte melden Sie bei Interesse Ihre Teilnahme bis zum 23. April 2026 beim Volksbund Hessen an. Dies kann unter der Telefonnummer 069/944 907-0 erfolgen oder per E-Mail unter der Adresse hessen@volksbund.de. Gerne können Sie auch weitere teilnehmende Personen anmelden! Die Führung dauert ca. 90 Minuten. Wir empfehlen festes Schuhwerk.

Landesverband Hessen Landesgeschäftsstelle