Meldungen aus dem Landesverband Hessen
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Geschichte entdecken

History Caching auf der Kriegsgräberstätte Ludwigstein

Carsten Deiters

Es ist ein wolkenverhangener, kalter Tag Ende November, doch die kleine Gruppe aus Bundesfreiwilligen und FÖJlern, die sich auf dem Wehrgang der Jugendburg Ludwigstein versammelt hat, lässt sich vom widrigen Wetter nicht einschüchtern. Mit GPS-Geräten ausgestattet machen sie sich auf die Suche nach einer Reihe von Verstecken (den sogenannten Caches), die quer über den Südhang des Burgbergs verteilt liegen. 
Was finden sie in den Verstecken? Einen verrosteten Helm, leere Patronenhülsen, eine Gürtelschnalle, einen Löffel und andere mysteriöse Gegenstände. 

Was es mit diesen Hinweisen auf sich hat, finden sie am Zielpunkt heraus: der Kriegsgräberstätte Ludwigstein. Die Gegenstände weisen nämlich auf Einzelschicksale von Menschen hin, die hier begraben liegen.
1961 eingeweiht, beherbergt diese Kriegsgräberstätte Wehrmachtssoldaten, deutsche und ausländische SS-Angehörige, sowie Kriegsgefangene, Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter - alle nebeneinander. 

Es ist ein unbequemer Ort, der kritische Fragen herausfordert. Ist es angemessen, Täter und Opfer nebeneinander zu begraben? Macht der Tod sie gleich? Und wie ordnet man einen Menschen wie den 34-Jährigen Ama Ismailow ein, der als SS-Freiwilliger in der Gräberliste geführt wird. Ab 1943 nahm die SS zunehmend auch Menschen aus Osteuropa in ihre Reihen auf. Manche wurden angeworben, manche wurden gezwungen und manche Kriegsgefangene wählten den Eintritt in die Waffen-SS, um den unmenschlichen Bedingungen in den deutschen Kriegsgefangenenlagern zu entgehen. Ob Ismailow an Kriegsverbrechen beteiligt war, ist nicht bekannt, ebenso wenig aus welchen Beweggründen er der SS letztendlich beigetreten ist. 

“Für mich ist er ein Opfer des Krieges. Ich weiß ehrlich nicht, wie ich mich entschieden hätte, wenn man mich vor die Wahl gestellt hätte. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen”, sagt einer der Bundesfreiwilligen. Eine andere ergänzt: “Sicher liegen hier viele, die damals Täter waren, doch alle sind in diesem brutalen und sinnlosen Krieg gestorben. Deshalb dienen sie uns heute alle als Mahnung.” Die Diskussion geht noch eine ganze Weile weiter, bis die Füße langsam doch etwas kalt werden und das Mittagessen auf der Burg ruft. Doch die Teilnehmenden haben einiges mitgenommen, worüber sie noch eine Zeitlang nachzudenken haben. 

Seit über zehn Jahren ist die Burg Ludwigstein Einsatzstelle für Freiwilligendienstleistende jeden Alters. Junge Menschen verbringen ihr Freiwilligenjahr auf der Burg, um die mittelalterliche Schönheit zu pflegen, sei es im Außenbereich durch Wald- und Wiesenpflege oder im Innenbereich durch Erhaltung der Bausubstanz. Außerdem gehört zu ihren Aufgaben die serviceorientierte Begleitung von Gästen und Unterstützung im Burgbetriebsgeschehen. 

Bei Interesse, gerne mal vorbeischauen: https://www.burgludwigstein.de/erleben/jugendbewegung/bundesfreiwilligenseminare

Das History Caching richtet sich an Jugendliche ab 14 Jahren - seien es (Berufs-)Schulklassen, Konfirmandengruppen oder andere Jugendgruppen. Das Angebot kann über die Website der Jugendbildungsstätte Ludwigstein gebucht werden: History Caching