Am bundesweiten „Tag des Friedhofs“ – stets am dritten Sonntag im September – war der Volksbund in Hessen auch 2025 wieder mit einem eigenen Angebot an der Veranstaltung auf dem Frankfurter Hauptfriedhof beteiligt. Am 21. September folgten trotz Regen und herbstlicher Kühle 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Einladung des Landesverbandes zu einem Rundgang über die Kriegsgräberfelder des Hauptfriedhofs.
Inhaltlicher Schwerpunkt der Führung durch Dr. Götz Hartmann, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Volksbunds in Hessen, war in diesem Jahr der Zweite Weltkrieg.
Vor 80 Jahren endete in Europa und Asien der Zweite Weltkrieg. Mit über 60 Millionen Toten – die Schätzungen liegen teilweise noch weit darüber – war er der verlustreichste Krieg in der Geschichte der Menschheit. In allen betroffenen Ländern und Gesellschaften hat er tiefe Wunden geschlagen und enorme Zerstörungen hinterlassen. Den 80. Jahrestag des Kriegsendes von 1945 nahm der Volksbund in Hessen zum Anlass, seine jährliche Führung am „Tag des Friedhofs“ 2025 den Spuren des Zweiten Weltkriegs auf dem Frankfurter Hauptfriedhof zu widmen.
Über 4.000 Tote aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sind auf den Kriegsgräberfeldern des Hauptfriedhofs bestattet. Außer deutschen Soldaten und ausländischen Kriegsgefangenen waren sie in der Mehrzahl Zivilisten: Frankfurter Luftkriegstote, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Häftlinge in Konzentrationslagern und Gefängnissen sowie „Displaced Persons“, außerdem über 300 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen, die ermordet wurden, weil ihr Leben in der Ideologie der nationalsozialistischen „Rassenhygiene“ für „lebensunwert“ erklärt wurde.
In der Führung am „Tag des Friedhofs“ wurden Ergebnisse aus dem historischen Forschungsprojekt vorgestellt, in dem der Volksbund in Hessen seit 1999 die Geschichte der hessischen Kriegsgräberstätten aufarbeitet. Der Frankfurter Hauptfriedhof war 2018 und 2019 Schwerpunktthema im Projekt, in das bis heute 16 Kriegsgräberstätten in Hessen aufgenommen wurden.
Teil des Informationskonzepts, das der Landesverband zur Dokumentation seiner Forschungsergebnisse entwickelt hat, ist die Vermittlung historischer Themen am Beispiel von persönlichen Schicksalen einzelner Kriegstoter, die aus Primärquellen rekonstruiert wurden. So lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Führung an den Gräbern verschiedener Kriegstoter deren Schicksale kennen: das des letzten deutschen Kampfkommandanten Frankfurts etwa, der im März 1945 in den Kämpfen mit der vorrückenden US-Armee tödlich verwundet wurde, das Schicksal einer 18-jährigen Luftwaffenhelferin, die 1944 bei einem Bombenangriff getötet wurde, oder das des Kindes einer Zwangsarbeiterin aus Litauen, das 1944 im Alter von zwei Monaten verstarb.
(Text: GH, 22.09.2025)