Zum Hauptinhalt springen
Meldungen aus dem Landesverband Hessen
Meldungen aus dem Landesverband Hessen

Vertretertag 2026 des Volksbundes Hessen

Präsident Schneiderhan skizziert eingeleitete Transformation

Die Mitglieder des Vertretertages auf dem Dach des Landtags

Die Mitglieder des Landesvertretertages Hessen am 30. Januar 2026 auf dem Dach des Hessischen Landtages Viola Krause


Auf Einladung von Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, die Schirmherrin des Landesverbandes ist, fand der Vertretertag im Plenargebäude des Hessischen Landtages in Wiesbaden statt. 

Der Vorsitzende Karl Starzacher dankte für die hierdurch zum Ausdruck kommende große Wertschätzung der Schirmherrin, die auch in zwei weiteren Veranstaltungen jährlich sichtbar werde. Zum einen sei das die zentrale Dankveranstaltung des Landesverbandes, in der gemeinsam die Vorjahresleistung der Sammlungsaktiven gewürdigt werde. Zum anderen fände im Foyer des Landtages das jährliche Benefizkonzert des Heeresmusikkorps Kassel zum Auftakt der hessischen Haus- und Straßensammlung statt. 
 

Botschaften der Schirmherrin und des Kreisvorsitzenden

Sowohl Landtagspräsidentin Astrid Wallmann als auch der neue Kreisvorsitzende Oberbürgermeister Gert Uwe Mende, der sich in einer Videobotschaft an die Mitglieder und Gäste des Vertretertages wandte, würdigten den hohen gesellschaftlichen Wert der Arbeit des Volksbundes insgesamt, insbesondere aber die Bildungs- und Erinnerungsarbeit des Landesverbandes im Zusammenhang mit den hessischen Kriegsgräbern. 

Die Schirmherrin stellte in ihrem Grußwort fest, „dass mit dem Verstummen der Zeitzeugen nun Generationen ohne jegliche persönliche Berührungspunkte zum Nationalsozialismus heranwachsen“. Dies sei eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, bei der der Volksbund mit seiner Bildungs- und Erinnerungsarbeit eine Schlüsselfunktion einnehme. Dieser schaffe mit den zu Lernorten entwickelten Kriegsgräberstätten ein Bewusstsein dafür, dass der Frieden nicht selbstverständlich sei. „Bisherige Formen der Erinnerung und des Gedenkens müssen sich verändern“, so die Landtagspräsidentin, „um zukünftig junge Menschen noch zu erreichen. Dies gilt für alle Gedenkveranstaltungen, auch für das zuletzt anlässlich des 27. Januar ausgerichtete Gedenken im Hessischen Landtag.“ 

Wesentlicher Schwerpunkt des Vertretertages

Im Anschluss an die Grußworte war die Tagesordnung insbesondere darauf ausgerichtet, die Delegierten der Kreisverbände darüber zu informieren, wie es aktuell um „Ihren“ Volksbund steht. Wie ernst die Lage ist, berichtete insbesondere Präsident Schneiderhan, während der Landesvorsitzende Karl Starzacher auf konkrete personelle Entwicklungen sowie Folgen der Transformation für den Landesverband einging. Den Bericht des Landesschatzmeisters übernahm Beisitzer Tore May, der als stellv. Bundessschatzmeister die Zahlen des eigenen Landesverbandes durch die der Bundesebene ergänzte. 

Dass der oberste ehrenamtliche Vertreter des Volksbundes selbst nach Wiesbaden gekommen war, um die eingeleiteten Transformationsmaßnahmen dort zu vertreten, wurde von den Delegierten und Vorstandsmitgliedern positiv bewertet, auch wenn die Botschaft erschreckend negativ war.  

Die Ausgangslage der Transformation

Der Präsident berichtete, dass die rückläufigen Spenden- und Mitgliedseinnahmen sowie Nachlässe bei gleichzeitig inflationsbedingt stark ansteigenden Ausgaben es für den Volksbund jährlich schwieriger machen, noch ausgeglichene Wirtschaftspläne vorzulegen und bestehende Aufgaben zu finanzieren. Für das Jahr 2026 habe der Volksbund gegenüber dem Auswärtigen Amt einen Fördermittelbedarf von 4 Mio. EUR angemeldet, werde letztendlich aber nur 2,5 Mio. EUR erhalten. Um die fehlenden 1,5 Mio. EUR ausgleichen zu können, müsse der ursprünglich geplante Haushalt 2026 jetzt gekürzt werden, was in den Vorjahren ebenfalls schon erforderlich war. 

Dass dies für das hauptamtliche Personal und die umzusetzenden Aufgaben gravierende Folgen habe, so der Präsident in seinem Bericht, sei der Politik, der Öffentlichkeit und den Förderern des Volksbundes hinlänglich bekannt. Der Ernst der Lage werde nicht zuletzt durch die aktuellen Spendenaufrufe des Volksbundes zu konkreten Problemlagen auf Kriegsgräberstätten im Ausland und die intensivierte Werbung um neue Mitglieder und Multiplikatoren sichtbar. Alle diese Maßnahmen seien der Versuch, die finanziellen Verluste zu verringern. 

Weitere zwingend notwendige Maßnahmen

Von den bereits im Jahr 2023 eingeleiteten Veränderungen und Kürzungen der Jahreshaushalte seien alle Arbeitsbereiche betroffen – die Landesverbände ebenso wie die Bundesgeschäftsstelle und deren Untergliederungen. „Trotz dieser ambitionierten Kürzungen“, so der Präsident des Volksbundes, „wird der Volksbund in 2026 ein Defizit von 1 Mio. EUR ausweisen!“ 

„Dieses Defizit ist“, so der Präsident in seinem Bericht, "zwar im Moment noch nicht besorgniserregend“, aber “ein Alarmsignal an die Politik, den Volksbund auskömmlich zu finanzieren, weil sonst die Kriegsgräberfürsorge im Ausland nicht mehr gewährleistet werden kann.“ Da der Volksbund nicht nur mehr Förderung seitens der Bundesregierung verlangen kann, sind die zwischenzeitlich vom Bundesvertretertag entschiedenen Einsparungsmaßnahmen innerhalb des Vereins unabwendbar. Zugleich „sind wir aufgefordert“, so der Präsident „insbesondere unseren Mitgliedern und Fördern nachzuweisen, dass wir die uns anvertrauten Finanzmittel wirtschaftlich einsetzen.“ 

Als überwiegend spendenfinanzierte Organisation müsse der Volksbund zudem prüfen, ob sein Angebot noch kompatibel mit der Nachfrage sei, auch wenn die Notwendigkeit der Kriegsgräberfürsorge und der besondere Wert der daraus hervorgehenden Erinnerungs- und Bildungsarbeit unstrittig sei und bleibe: „Aber wir, also der Volksbund, müssen uns doch kritisch fragen: Machen wir das Richtige und wenn ja, machen wir es richtig?“

In diesem Zusammenhang sei es erforderlich, die Satzung des Volksbundes anzupassen. Die Zahl der zu betreuenden Mitglieder nehme kontinuierlich ab, die Finanzierung der eigeninitiativ angestoßenen Projekte werde immer schwieriger und sei bald kaum noch möglich. 

Satzungskommission unter Leitung des hessischen Landesvorsitzenden

Mit der Aufgabe der Anpassung der Satzung habe sich eine Kommission unter der Leitung des Landesvorsitzenden Karl Starzacher angenommen. Im Herbst 2026 werde diese ihre Entwürfe für die zukünftige Vereinssatzung vorlegen, ebenso das erarbeitete Muster einer Organisations- und Geschäftsordnung für die Landesverbände. Die Entscheidung über diese notwendige Anpassung werde, ebenfalls im Herbst, von den Bundesdelegierten der Landesverbände getroffen. Gemeinsames Ziel sei es, das Mitbestimmungsrecht eines jeden einzelnen Mitglieds zu stärken.

Der zurückliegende außerordentliche Bundesvertretertag erteilte zudem den Auftrag, ein Ehrenamtskonzept zu erarbeiten, denn, so der Präsident, „nicht jede Aufgabe muss zwingend von einem teuren hauptamtlichen Mitarbeiter bewältigt werden.“ Allerdings müssten Ehrenamtliche zunächst ausgebildet, regelmäßig informiert und vor allem betreut werden. Ebenso müssten sich diese im Zweifelsfall gegenüber Dritten legitimieren können und einen Versicherungsschutz haben.

Fazit und Folgen der Transformation

Mit der ernüchternden Erkenntnis, dass der Volksbund mit reduziertem hauptamtlichem Personal auch weniger Aufgaben als bisher bewältigen kann und wird, schloss der hessische Vertretertag. Dass der hessische Landesverband die vom Bundesvertretertag entschiedene Personalreduktion bereits 2025, also fünf Jahre vor der gesetzten Deadline eingenommen hat, wirkte sich auf das eigentlich geplante Veranstaltungsvolumen des vergangenen Jahres aus. Weil das so ist, endete der Vertretertag 2026 mit dem nachdrücklichen Appell des Landesschatzmeisters, das Hauptamt durch den eigenen ehrenamtlichen Einsatz bei der Realisierung des Jahresprogramms 2026 tatkräftig zu unterstützen. 

Einstimmiges Ergebnis der zwei Wahlgänge des Vertretertages

Mit Christina Herzog und Alfons Gerling schieden zwei langjährige Vorstandsmitglieder aus, die für ihr Engagement über Jahrzehnte hinweg mit der Verdienstmedaille des Volksbundes ausgezeichnet wurden. Neu zur Wahl standen mit Dr. Daniela Sommer und Frank Steinraths zwei Mitglieder des Landtags sowie Michael Merle, der Delegierte des Wetteraukreises.

Gemeinsam mit den zur Wiederwahl stehenden Vorstandsmitgliedern wurden alle Kandidatinnen und Kandidaten in einem offenen Wahlgang bei einer Enthaltung gewählt. Der neue Landesvorstand hat nun insgesamt 14 gewählte Mitglieder.

Im zweiten Wahlgang stellten sich Vorstandsmitglied Christiane Lensch und der erstmals kandidierende Jörg Fischer-Haldorn (Delegierter Kassel-Stadt) als Bundesdelegierte zur Wahl. Als deren Ersatzdelegierte standen - in dieser Reihenfolge - Eberhardt Luft, Elmar Hönig und Alexander Wicker zur Wahl. Auch diese Wahl erfolgte offen und endete mit einem jeweils einstimmigen Ergebnis.  

Viola Krause Landesgeschäftsführerin