Meldungen aus dem Landesverband Hessen

„Würden wir nicht am liebsten schweigen?“

"Fassungslos und voller Trauer stehen wir an Euren Särgen. Würden wir nicht am liebsten schweigen, weil wir nicht wissen, wie wir diesem Moment begegnen sollen?“

Blick auf das Gräberfeld mit Einbettungsstelle unmittelbar vor Beginn der Gedenkstunde zum Volkstrauertag Viola Krause, Landesverband Hessen

Bewegende Worte, die Pfarrer Cremer an diejenigen richtete, die im vergangenen Jahr im Mittelpunkt einer Gedenkstunde in Idstein standen – zwei Kleinkinder und eine Jugendliche, deren zuvor exhumierte sterbliche Überreste wieder beigesetzt wurden.

Anlässlich des Volkstrauertages wurde mit der Einbettung auf der Kriegsgräberstätte Idstein-Kalmenhof an die Opfer der NS-„Euthanasie“ und die konkreten Umstände erinnert, die zu ihrer Tötung in der Heilerziehungsanstalt Kalmenhof führten.

Insgesamt ist von der Ermordung von mehr als 700 Menschen auszugehen – mehrheitlich Kinder und Jugendliche. Die Worte des evangelischen Geistlichen, von denen viele der Anwesenden emotional sehr berührt waren, richteten sich nicht ausschließlich an die Ermordeten, sondern auch an diejenigen, die heute für diesen Erinnerungsort Verantwortung tragen und an diejenigen, die sich mitverantwortlich fühlen.

Dass dies nicht ausschließlich für den Landeswohlfahrtsverband Hessen gelten kann, der stellvertretend für die Bundesrepublik Deutschland für den Erhalt dieser Gräberstätte verantwortlich ist, liegt auf der Hand. Daher ist es nicht erstaunlich, dass im vergangenen Jahr so viele Menschen Anteil am Fortgang der Feststellungsgrabungen rund um die Kriegsgräberstätte genommen haben.

Die ermordeten Opfer in Idstein und an anderen Orten fordern uns auf, die Erinnerung an sie, ebenso an die furchtbaren Taten und deren Ursachen, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Ihre Gräber sind der Auftrag an uns, mit diesen besonderen Friedhöfen auch die Erinnerung wach zu halten und insbesondere junge Menschen zu ermuntern, diese Orte - möglichst fachlich und pädagogisch begleitet - gezielt im Rahmen eines Bildungsprojekts aufzusuchen.

In diesem Jahr nun setzt der Volksbund den behördlichen Auftrag um, die Außengrenzen der Kriegsgräberstätte durch weitere Grabungen an den hangseitigen Rändern des bestehenden Gräberfeldes festzustellen. Diese Arbeit wird – unter den Bedingungen der geltenden Corona-Regelungen – am 16. März 2021 beginnen. Der vorwiegend in Brandenburg und Berlin tätige Umbetter des Volksbundes, Joachim Kozlowski, reist zu diesem Zweck also einmal mehr nach Hessen.

„Wir freuen uns, dass die vermutlich letzte Feststellungsgrabung durch die Genehmigung der zuständigen Behörden jetzt möglich geworden ist und hoffen, dass mit Abschluss der Arbeiten zumindest die hangseitigen Außengrenzen des Gräberfelds feststehen“, so Viola Krause, die als Geschäftsführerin des Landesverbandes seit Ende 2018 jegliche Kommunikation mit allen Institutionen und Ansprechpartnern führt und die Arbeiten für den Volksbund begleitet. 

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