Antoni Kaca war ein Kriegsgefangener aus Polen. In Deutschland war er von 1940 bis 1945 als Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft eingesetzt. Er verstarb als „Displaced Person“ (DP) 1946 im DP-Hospital 201 in Heppenheim und wurde auf dem Ehrenfriedhof für Ausländer begraben, der 1945 auf Befehl der amerikanischen Militärregierung am heutigen Alten Friedhof in Heppenheim angelegt worden war. Spätestens bei seiner Umbettung aus Heppenheim, möglicherweise aber schon zuvor bei der Erstellung eines amtlichen Dokuments, wurde Antoni Kacas männlicher polnischer Vorname, der im Sterberegister von 1946 noch richtig notiert worden war, mit dem weiblichen deutschen Vornamen „Antonie“ verwechselt. Im Irrtum, er sei eine Frau gewesen, wurde sein Grabstein in Bensheim daher mit der Aufschrift „Polin“ gekennzeichnet.
Soldat, Kriegsgefangener, Zwangsarbeiter
Antoni Kaca wurde am 17. Januar 1916 im Dorf Rawica Stara bei Radom in Polen geboren. Die Region war bei der Aufteilung Polens unter den benachbarten Mächten an das Russische Reich gefallen. Nachdem sich die russische Armee im Ersten Weltkrieg nach Osten zurückgezogen hatte und Polen durch die Truppen der Mittelmächte besetzt worden war, lag Antoni Kacas Heimat seit 1915 im österreichisch-ungarischen Generalgouvernement Lublin.
Antoni Kaca wuchs im wiedererrichteten polnischen Nationalstaat der Zwischenkriegszeit auf. Im Zivilberuf Landwirt, kämpfte er nach dem deutschen Überfall im September 1939 als Gefreiter in einem Infanterieregiment der polnischen Armee. Er war unter den 400.000 Kriegsgefangenen, die bei der polnischen Niederlage in deutsche Hand gerieten. Das Deutsche Reich erkannte jedoch für die polnischen Kriegsgefangenen die schützenden Regelungen des Kriegsvölkerrechts nicht an. Das nationalsozialistische Regime erklärte die gefangenen Soldaten vielmehr zu Zivilisten und setzte sie unter restriktiven und diskriminierenden Bedingungen, die im März 1940 in den „Polen-Erlassen“ festgelegt wurden, als Zwangsarbeiter in Industrie und Landwirtschaft ein.
Über verschiedene Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlager (Stalags) in Österreich und Hessen gelangte Antoni Kaca im Frühjahr 1940 schließlich ins Stalag XII B in Frankenthal bei Ludwigshafen. Von dort aus wurde er einem Bauern im benachbarten Dorf Heuchelheim als „Landhelfer“ zugewiesen. Bei diesem Arbeitgeber verbrachte er die folgenden fünf Jahre bis zu seiner Befreiung durch den Einmarsch der US-Armee am 19. März 1945.
Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus Polen und der Sowjetunion wurden durch die Ausländerpolizeibehörden der Stadt- und Landkreise im Deutschen Reich in speziellen „Ausländerkarteien“ erfasst. Für die polnischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wurden grüne Karteikarten verwendet, für die sowjetischen gelbe. Die im April 1940 ausgestellte Karteikarte für Antoni Kaca dokumentiert seine erzwungene rechtliche Herabstufung vom Kriegsgefangenen zum zivilen Zwangsarbeiter in besonderer Weise: Das Foto, aufgenommen in der örtlichen Polizeidienststelle, zeigt ihn noch in der Uniform der polnischen Armee. Auf einer Brusttasche ist jedoch gemäß den „Polen-Erlassen“ vom März 1940 bereits das stigmatisierende Kennzeichen „P“ aufgenäht, das alle polnischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter auf ihrer Kleidung tragen mussten. Bestände der Arolsen Archives (DocID: 72839354). © Arolsen Archives
Tod als „Displaced Person“
Nach seiner Befreiung zählte Antoni Kaca zur Personengruppe der „Displaced Persons“ (DPs). Unter diesem Begriff fassten die alliierten Siegermächte alle ausländischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und Überlebenden der Konzentrationslager zusammen, die sie bei Kriegsende im Deutschen Reich (oder in zuvor von den Deutschen besetzten Gebieten) antrafen. Auch Bürger der baltischen Staaten, die seit 1944 vor der Roten Armee nach Deutschland geflohen waren, wurden zu dieser Gruppe gerechnet.
Allen DPs gemeinsam war, dass sich die Alliierten darauf geeinigt hatten, sie in ihre Herkunftsländer zurückzuführen und dies zumindest zunächst auch anstrebten. Für die erwartete Zwischenzeit bis zur „Repatriierung“ stellten die westlichen Alliierten in ihren Besatzungszonen, unterstützt durch die „United Nations Relief and Rehabilitation Administration“ (UNRRA), für die DPs Unterbringung, Versorgung und medizinische Betreuung in Sammellagern bereit.
Nach Kriegsende wurden zunächst die sowjetischen und westeuropäischen DPs in ihre Herkunftsländer zurückgeführt. Für die Polen standen erst ab Herbst 1945 Transportkapazitäten für ihre Rückkehr zur Verfügung. Eine große Zahl polnischer DPs hatte zu dieser Zeit jedoch bereits nicht mehr den Wunsch, erneut in ihrer nun dem sowjetischen Machtbereich zugefallenen Heimat zu leben. Anderen war die Rückkehr in den ehemaligen polnischen Osten verwehrt, der 1944/45 erneut von der Sowjetunion annektiert worden war und aus dem die polnische Bevölkerung vertrieben wurde. Welche Pläne Antoni Kaca für seine Zukunft hatte, ist nicht bekannt. Gesundheitliche Beschwerden, die auf einen Herzfehler zurückgingen, machten im November 1945 seine Aufnahme ins DP-Hospital in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Heppenheim notwendig.
Ob der Herzfehler angeboren war oder sich in der Zeit seiner Zwangsarbeit entwickelt hatte, wurde nicht festgehalten. Letzteres liegt aber im Bereich des Möglichen. Eine Grippe-Erkrankung Antoni Kacas, die bei unzureichender Ausheilung eine Herzschädigung hätte nach sich ziehen können, ist für den Februar 1945 ebenso belegt wie der Umstand, dass der behandelnde Arzt ihn aus diesem Anlass nur für einen einzigen Tag krankgeschrieben hatte. Antoni Kaca verstarb am 13. Januar 1946, wenige Tage vor seinem 30. Geburtstag, im DP-Hospital Heppenheim an den Folgen seiner Herzerkrankung.