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Projekte aus dem Landesverband Hessen

Projekte aus dem Landesverband Hessen

Otto Ehrensperger (1909–1945) – Grab 945

Der Grabstein von Otto Ehrensperger

Götz Hartmann, Volksbund Hessen

Tod in der „Schlacht um Würzburg“

Nach ihrem Übergang über den Rhein und der Durchquerung des Odenwalds erreichten Verbände der 7. US-Armee Anfang April 1945 Würzburg. Die Stadt, die erst zwei Wochen zuvor durch einen Luftangriff der britischen Royal Air Force schwer zerstört worden war, wurde von den Deutschen über mehrere Tage hinweg verteidigt. In der „Schlacht um Würzburg“ fiel, einen Tag vor dem Ende der Kämpfe, am 5. April 1945 der Gefreite der Wehrmacht Otto Ehrensperger aus Nürnberg. Er war 35 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Soldaten des Graves Registration Service der US-Armee transportierten die Leichen der amerikanischen und deutschen Gefallenen aus den Kämpfen um Würzburg ins über 100 Kilometer entfernte Bensheim. Im Ackergelände westlich des Stadtteils Auerbach hatten die Amerikaner wenige Tage zuvor zwei zentrale Bestattungsplätze für eigene und gegnerische Tote aus dem Operationsgebiet der 7. US-Armee eingerichtet: die Keimzelle der heutigen Kriegsgräberstätte. Otto Ehrensperger wurde auf dem Gräberfeld der deutschen Soldaten begraben.

Familienüberlieferung als historische Quelle

Im Rahmen seines Forschungsprojekts zur Geschichte der Kriegsgräberstätten in Hessen erhält der hessische Landesverband des Volksbunds gelegentlich Zuschriften, in denen Angehörige von Kriegstoten Einzelheiten aus deren Leben mitteilen. Auch für Otto Ehrensperger liegt eine solche Mitteilung aus der Familienüberlieferung vor.

„Der gefallene Otto Ehrensperger war ein grundanständiger, aufrichtiger und ehrlicher Mensch, der mit hilfreich und zugetan war, mir z. B. Schwimmen und Radfahren beibrachte. Er war von Beruf Werkzeugmacher und arbeitete bei der Fa. Aufzug-Schmitt in Nürnberg, bis er 1944 zur Wehrmacht eingezogen wurde.“

Aus dem Brief einer Verwandten an den Volksbund in Hessen, 2014

Familienüberlieferung, die vor ihrer Verschriftlichung mündlich weitergegeben wurde und sich auf das Gedächtnis von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen stützt, gibt wie jede Geschichtsquelle die historische Wirklichkeit in spezifischer Weise wieder. Ihre fachkundige Interpretation, ihr Quellenwert und die Möglichkeiten ihrer Nutzung durch spätere Generationen sind Themen, die in den Bildungsangeboten des Volksbunds in Hessen bearbeitet und vermittelt werden.