Kindheit und Jugend in der Tschechoslowakei
Otto Lang wurde 1921 als ältestes von vier Kindern einer deutschsprachigen Familie in Brünn/Brno in der Tschechoslowakei geboren. Nach der im „Münchener Abkommen“ von 1938 erzwungenen Angliederung des mehrheitlich deutschsprachigen „Sudentenlandes“ an das nationalsozialistische Deutsche Reich zogen seine Eltern mit den jüngeren Geschwistern in das nunmehr deutsch gewordene Neubistritz/Nová Bystřice um. Otto Lang blieb bei Verwandten im weiterhin tschecho-slowakischen Brünn, um das Gymnasium zu beenden. Im März 1939 wurde die Stadt von deutschen Truppen besetzt und mit der Errichtung des „Protektorats Böhmen und Mähren“ durch das Deutsche Reich annektiert.
Ausbildung und Kriegseinsatz
Am 1. September 1939 begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Otto Lang beging an diesem Tag seinen 18. Geburtstag. Bis 1941 absolvierte er eine Beamtenausbildung, die er mit dem Titel „Inspektor“ abschloss. Anschließend wurde er zur Wehrmacht eingezogen und war unter anderem an der Ostfront im Einsatz. Auf eine schwere Verwundung folgten ein mehrmonatiger Lazarettaufenthalt und ein letzter Heimaturlaub zu Weihnachten 1944.
„Es war ein schwerer Abschied, als er wieder gehen mußte, und er sagte, daß jetzt niemand mehr heimkommt.“
Aus den Erinnerungen der Schwester, 2007
In den nächsten Monaten war Otto Lang, mittlerweile zum Unteroffizier befördert, auf dem Truppenübungsplatz Milowitz/Milovice bei Prag stationiert. Anfang April 1945 wurde seine Einheit nach Süddeutschland verlegt und traf nördlich von Schweinfurt auf die von Westen heranrückenden Verbände der 7. US-Armee.
In den Gefechten um die unterfränkische Ortschaft Oberlauringen wurde Otto Lang am 8. oder 9. April 1945 getötet; das Datum ist nicht zweifelsfrei zu ermitteln.
Bestattet in Bensheim
Otto Langs Leiche wurde von Soldaten des Graves Registration Service der US-Armee geborgen und nach Bensheim transportiert. Im Ackergelände westlich des Stadtteils Auerbach hatten die Amerikaner kurz zuvor zwei zentrale Bestattungsplätze für eigene und gegnerische Tote aus dem Operationsgebiet der 7. US-Armee eingerichtet: die Keimzelle der heutigen Kriegsgräberstätte. Otto Lang wurde auf dem Gräberfeld der deutschen Soldaten begraben.
Bis der Tote durch die „Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht“ identifiziert und die Hinterbliebenen benachrichtigt werden konnten, vergingen mehrere Jahre. Otto Langs Angehörige waren im Mai 1945 als Deutsche aus der Tschechoslowakei vertrieben worden und lebten inzwischen in Westdeutschland. Seit seiner letzten Nachricht vom April 1945 waren sie im Ungewissen über sein Schicksal gewesen.
„Meine Eltern warteten noch immer auf Post von ihrem Sohn, oder daß er vielleicht in Gefangenschaft ist und nicht schreiben kann. Im Mai 1949 starb mein Vater […] Meine Mutter erhielt erst 1951 im März die Todesnachricht von ihrem Sohn. In dem Schreiben stand, daß er auf dem Soldatenfriedhof von Bensheim-Auerbach begraben ist.“
Aus den Erinnerungen der Schwester, 2007
Die Erinnerungen der Schwester
Die meisten der hier vorgestellten Einzelheiten aus dem Leben Otto Langs wurden dem Volksbund in Hessen im Jahr 2014 durch eine Zuschrift seiner jüngeren Schwester mitgeteilt. Ihre Schilderung gibt selbst Erlebtes sowie Familienüberlieferung wieder, beides aus der Erinnerung, und stützt sich zudem auf Angaben aus amtlichen Dokumenten und schriftlichen Benachrichtigungen, die auch in allgemein zugängliche Informationsquellen Eingang gefunden haben.
„Ich war 13 Jahre jünger als mein Bruder, aber ich weiß, daß er ein guter Schüler war, sportlich, gut Klavier spielte und zu mir sehr großzügig war. Unser jüngerer Bruder ist im September 1944, mit 20 Jahren, in Frankreich gefallen. Er liegt in einem Massengrab auf dem Friedhof Andilly in Frankreich.“
Aus den Erinnerungen der Schwester, 2007
Berichte von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Nachrichten aus familiärer, oft über Jahrzehnte hinweg mündlich vermittelter Überlieferung geben wie alle Geschichtsquellen die historische Wirklichkeit in spezifischer Weise wieder. Nicht immer decken sich Erinnerungen und „Oral Tradition“ mit den Angaben zeitgenössischer Primärquellen, was aber nur dann überhaupt festzustellen ist, wenn solche erhalten und zugänglich sind. Die fachkundige Interpretation von Zeitzeugenberichten und Familienüberlieferung, ihr Quellenwert und die Möglichkeiten ihrer Nutzung durch spätere Generationen sind Themen, die in den Bildungsangeboten des Volksbunds in Hessen bearbeitet und vermittelt werden.