Meldungen aus dem Landesverband Hessen

Zerstörungswut gepaart mit Unwissen: Vandalismus am Ehrenmal in der Kasseler Karlsaue

Mit roter Farbe besprühte Steintafeln am Ehrenmal. Museumslandschaft Hessen Kassel

Gerade hat der Landesverband Hessen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge einen Kooperationsvertrag mit der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) unterschrieben. Beide Institutionen wollen Führungen zum frisch sanierten Ehrenmal anbieten und darüber informieren, worum es in der großen Treppenanlage mitten in der Kasseler Karlsaue eigentlich geht. Denn die politische Ausrichtung des direkt nach dem Ersten Weltkrieg erbauten Denkmals ist komplex und vielschichtig und nicht für jeden sofort zu entschlüsseln – das ist gerade erst wieder unter Beweis gestellt worden.
Vandalen haben die soeben sanierte und erst seit wenigen Tagen wieder zugängliche Anlage jetzt erheblich beschädigt. Die Polizei spricht von einem Sachschaden in Höhe von 30.000 Euro. Die Tat soll politisch motiviert gewesen zu sein. „Kein Gedenken den NS-Verbrecher*innen“, dieser hingeschmierte Schriftzug prangt nun in großen Lettern über dem alten, gerade sorgfältig hergerichteten Sandstein der Außenfassade. Widersprüchlicherweise ist gleichzeitig ausgerechnet auch eine Erinnerungstafel unkenntlich gemacht worden, die an Deserteure erinnert, die sich der Nazi-Herrschaft verweigerten.

 

Dass es sich um einen Ort handelt, der zunächst einmal Tote des Ersten Weltkriegs betrauert, scheint bei den Tätern nicht angekommen zu sein, ebenso wenig, dass das Kasseler Mahnmal anders als vergleichbare Denkmale in Deutschland keinen kriegerischen oder gar hetzerischen Appell an die Betrachter richtet, sondern der reinen Trauer Raum bietet.
Natürlich hat der Erinnerungsort – ähnlich wie die meisten Architekturen, Institutionen, Firmen, Vereine etc. in Deutschland – eine NS-Vergangenheit. Diese ist in der Nachkriegszeit aber gut aufgearbeitet worden. Eine rege Debattenkultur hat in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg zu Korrekturen und Ergänzungen am Mahnmal geführt. Unter anderem ist das Herzstück der Anlage – eine Statue, die die Nazis in namentlicher Anlehnung an den Bildhauer verächtlich als „Sautter-Leiche“ diffamierten – wieder am Platz.
Zum Tag des offenen Denkmals Mitte September, der in diesem Jahr digital stattfinden musste, haben wir die neu eröffnete Gedenkstätte in den Fokus gerückt und eine Kurzführung online angeboten. Schade: Die zerstörungswütigen Randalierer aus der Karlsaue haben dieses Angebot offenbar nicht wahrgenommen.


Wenn Sie Interesse haben an Hintergrundinformationen zum Ehrenmal in der Kasseler Karlsaue können Sie unsere Kurzführung hier über den YouTube-Kanal des Volksbundes aufrufen.

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