Auf dem Friedhof in der Ebene westlich des Bensheimer Stadtteils Auerbach ruhen annähernd 2.000 Tote des Zweiten Weltkriegs. Die meisten von ihnen waren deutsche Soldaten, die kurz vor Kriegsende bei Kämpfen mit der US-Armee in Süddeutschland getötet wurden.
Auch 600 ausländische Tote sind auf dem Friedhof begraben, vor allem Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen wie Ljubow Pochyla aus der Ukraine, sowjetische Kriegsgefangene wie der 22-jährige Nikolai Wlasenko und „Displaced Persons“ (DPs) – Letzteres ein Sammelbegriff für die unterschiedlichen Gruppen von Ausländern, die die alliierten Truppen im Frühjahr 1945 in Deutschland antrafen: unmittelbar nach Kriegsende rund elf Millionen Männer, Frauen und Kinder, viele von ihnen geschwächt und krank nach Jahren der Zwangsarbeit wie Antoni Kaca aus Polen.
Unter den ausländischen Toten der Kriegsgräberstätte sind neben Oskar Piasecki, der nur fünfeinhalb Wochen alt wurde, weitere 25 Kinder von Zwangsarbeiterinnen, von denen 16 noch nach der Befreiung durch den Einmarsch der US-Armee verstarben.
Die Gräber aller dieser Toten werden als „Kriegsgräber“ ohne zeitliche Befristung erhalten und gepflegt. So bestimmt es das Gräbergesetz der Bundesrepublik Deutschland. Zuständig für die Grabpflege ist die Stadt Bensheim. Die Kosten werden aus dem Bundeshaushalt in Form von Pauschalbeträgen erstattet.
Krieg und Gewaltherrschaft
Der vollständige Titel des Gräbergesetzes lautet: „Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“. Kriegsgräber im engeren Sinn – d. h. Gräber von Personen, die durch Kriegshandlungen ums Leben kamen – machen nur einen Teil aller Grabstätten aus, deren dauerhafte Erhaltung und Pflege das Gesetz vorschreibt.
Bis zum Jahr 1965, als das Gräbergesetz in Kraft trat, war dies anders. Den Opfern der nationalsozialistischen Diktatur und vielen ausländischen Toten des Zweiten Weltkriegs – insbesondere vielen der zahlreichen osteuropäischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die in Deutschland ums Leben gekommen waren – hatte der Gesetzgeber im „Kriegsgräbergesetz“ von 1952 ursprünglich nur die zeitlich begrenzte Pflege ihrer Grabstätten aus öffentlichen Mitteln zugebilligt, nicht aber deren Erhaltung über die ortsüblichen Ruhefristen hinaus.
Erst die Neufassung des Gesetzes im Jahr 1965 hob die rechtliche Diskriminierung auf und garantierte fortan auch den NS-Opfern und allen ausländischen Toten des Zweiten Weltkriegs die dauernde Erhaltung und Pflege ihrer Gräber. Der bereits eingebürgerte Begriff „Kriegsgräber“ erhielt sich jedoch über die Ausdehnung des gesetzlichen Schutzes auf die Gräber der NS-Opfer hinaus und ist alltagssprachlich noch immer in Gebrauch. Wenn er auch hier verwendet wird, sind damit stets alle Gräber im Sinne des Gräbergesetzes gemeint.
Auch auf anderen Friedhöfen im Bensheimer Stadtgebiet sind Tote der Weltkriege und Opfer der nationalsozialistischen Diktatur bestattet, vor allem auf dem Friedhof Bensheim-Mitte und am Bergfriedhof Auerbach.
Gedenktafel der Stadt Bensheim an der Grabstätte der Zwangsarbeiter am Bergfriedhof Auerbach. Der QR-Code auf der Tafel führt auf eine Internetseite mit Informationen zu den Schicksalen der hier bestatteten Männer, erarbeitet von der Bensheimer Stadtarchivarin Claudia Sosniak (https://www.bensheim.org/doc/26gz.pdf). Diese mussten in einem Rüstungsbetrieb in den unterirdischen Stollen des Marmoritwerks in Bensheim-Hochstädten von September 1944 bis März 1945 unter mörderischen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Die Schicksale von vier weiteren Zwangsarbeitern aus Griechenland, die im selben Betrieb eingesetzt waren und heute auf der Kriegsgräberstätte Bensheim-Auerbach bestattet sind (Gräber 1394, 1465, 1467 und 1492), werden ebenfalls auf der Seite geschildert. © Götz Hartmann, Volksbund Hessen
Anfänge als Provisorium
Die Anfänge der Kriegsgräberstätte liegen in der Bestattungspraxis der US-Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg. In Europa gefallene amerikanische Soldaten wurden zunächst auf provisorischen Friedhöfen begraben. Nach Kriegsende wurden die Toten exhumiert und entweder in den USA oder auf Ehrengräberstätten in Großbritannien, Frankreich, Italien und den Beneluxstaaten dauerhaft beigesetzt.
Eine Graves Registration Company der 7. US-Armee legte im April 1945 am Ort der heutigen Kriegsgräberstätte, damals ein Ackergelände auf Fehlheimer Gemarkung im Besitz der Stadt Bensheim, einen provisorischen Friedhof an. In den nächsten Wochen wurden 2.722 US-Soldaten hier begraben. Ein angrenzendes Gräberfeld nahm über 80 Tote aus weiteren alliierten Staaten auf.
Für deutsche Kriegstote aus dem Raum, in dem die 7. US-Armee im April 1945 operierte – hauptsächlich der Norden und Osten des heutigen Baden-Württembergs und der Norden Bayerns –, wurde ein drittes Gräberfeld angelegt. Nach Kämpfen mit deutschen Truppen blieben die Amerikaner bei ihrem Vormarsch in diesem Gebiet letztlich stets im Besitz des Gefechtsfeldes. Damit waren sie auch für die Bestattung der gegnerischen Gefallenen verantwortlich, wenn diese nicht zuvor von deutscher Seite begraben worden waren oder von ihren abziehenden Einheiten mitgenommen wurden.
Die hier abgebildete Aufnahme eines amerikanischen Militärfotografen, entstanden am 9. April 1945, zeigt Soldaten der 7. US-Armee, die bei Oberlauringen in Unterfranken über freies Feld zum Angriff vorgehen.
Vier deutsche Soldaten, die an diesem Tag oder am Tag zuvor bei Oberlauringen getötet wurden, sind auf der Kriegsgräberstätte Bensheim-Auerbach begraben: Unteroffizier Otto Lang, 23 Jahre alt, aus Brünn/Brno in der Tschechoslowakei (Grab 679), Soldat Edmund Prachowsky aus Oberschlesien, 21 Jahre alt (Grab 670), der 18-jährige Schütze Anton Dreiszker aus dem österreichischen Burgenland (Grab 671) und der unbekannte Tote in Grab 683. Ebenfalls in Gefechten mit Einheiten der 7. US-Armee fielen am 5. April 1945 bei Würzburg der Gefreite Otto Ehrensperger, 35 Jahre alt (Grab 945), und am 10. oder 11. April 1945 der erst 17-jährige Josef Plach im Kampfgebiet um Jagst und Kocher östlich von Heilbronn (Grab 606).
Ausbau zur Kriegsgräberstätte
Noch im Jahr 1945 wurden die amerikanischen Toten exhumiert, ihr Friedhofsteil wurde aufgelöst. Der Alliiertenfriedhof blieb bestehen, ebenso das deutsche Gräberfeld, auf dem schließlich 1.644 Tote bestattet waren. Ende 1945 übergaben die Amerikaner die Verwaltung der beiden Gräberfelder an die Stadt Bensheim. In den Folgejahren entstanden durch Überführungen von Toten durch Angehörige und Heimatstaaten zahlreiche Lücken in den Grabreihen. Die Grabkennzeichen aus Holz verwitterten, Besucherinnen und Besucher beklagten zunehmend ein verwahrlostes Erscheinungsbild.
Pläne, die Gräber an andere Orte zu verlegen, ließen sich nicht verwirklichen. Daher baute die Stadt Bensheim die als Provisorien angelegten Gräberfelder schließlich in enger Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dem Land Hessen und der Bundesrepublik Deutschland zu der heute sichtbaren Kriegsgräberstätte aus, die 1957 eingeweiht wurde.
Durch den Ausbau wurde aus den zuvor getrennten Grabarealen ein gemeinsamer Friedhof für deutsche und ausländische Kriegstote geschaffen. Weitere Tote wurden aus Orten der Umgebung auf die Kriegsgräberstätte umgebettet, unter ihnen der im März 1945 in der Nähe von Trebur gefallene Dieter Sonne (Grab 862). Durch die Zubettungen aus der Umgebung von Bensheim vergrößerte sich der Anteil der ausländischen Toten. Von diesen waren die meisten ursprünglich in Heppenheim begraben. In der dortigen Heil- und Pflegeanstalt bestand seit 1941 ein Lazarett für Kriegsgefangene, in dem Hunderte sowjetische Soldaten verstarben.
Das Massengrab der Kriegsgefangenen
Im Krieg gegen die Sowjetunion kalkulierte die deutsche Führung den Tod von Millionen kriegsgefangenen Rotarmisten durch Hunger und Krankheit ein. Wurden die Gefangenen, die in Deutschland schwerste Zwangsarbeit leisten mussten, von ihren „Mannschafts-Stammlagern“ (Stalags) in Lazarette eingewiesen, waren sie oft stark unterernährt und bereits schwer krank. Auch im Kriegsgefangenen-Lazarett in Heppenheim wurden sie deutlich schlechter versorgt als die Gefangenen aus anderen Nationen.
Am heutigen Alten Friedhof in Heppenheim befand sich ein 1945 auf Befehl der amerikanischen Militärregierung angelegter Ehrenfriedhof für ausländische Kriegstote und auf diesem ein Massengrab für sowjetische Tote aus dem Lazarett. Letztere waren bereits zuvor in einem Massengrab beerdigt gewesen, das in der Literatur in der Flur „Tuchbleiche“ westlich der Bahnlinie Darmstadt-Heidelberg lokalisiert wird. Zu den Toten des Massengrabes sind in einer Liste mit 386 Einträgen 385 Namen überliefert; ein Name ist doppelt verzeichnet.
Da an der Stelle des Ehrenfriedhofs eine Straße gebaut werden sollte, wurden die hier bestatteten ausländischen Toten 1955/56 auf die Kriegsgräberstätte Bensheim-Auerbach umgebettet; die Toten des Heppenheimer Massengrabes wurden dabei auch in Bensheim wieder in einem Massengrab beigesetzt.
Die Ausbettungen wurden durch die Stadt Heppenheim vorgenommen, die Einbettungen durch die Stadt Bensheim. Eine Trennung der Gebeine im Massengrab, die es erlaubt hätte, die dort bestatteten Personen zu zählen, erfolgte nicht, ebensowenig wie eine Identifizierung der Toten. Das Verzeichnis der 385 Namen, das auf die amtliche Heppenheimer Kriegsgräberliste von 1954 zurückgeht, ist die einzige Quelle zu Anzahl und Identität der Toten sowohl im aufgelösten Massengrab auf dem Heppenheimer Ehrenfriedhof als auch im neu angelegten in Bensheim.
Die Zuverlässigkeit des Verzeichnisses ist nicht genau zu bestimmen; zwei Tote, deren Namen auf der Liste standen und daher heute auf der Bronzeplatte, die die Lage des Massengrabes auf der Kriegsgräberstätte anzeigt, zu lesen sind, waren nachweislich keine sowjetischen Kriegsgefangenen: die Zwangsarbeiterin Ljubow Pochyla (1924–1942) und der italienische Militärinternierte Giuseppe Cardellini (1920–1945). Giuseppe Cardellini ist zudem nicht in Bensheim, sondern auf dem italienischen Kriegsopferfriedhof in Frankfurt-Westhausen bestattet.
Blick über die Straße „Erbacher Tal“ auf den heutigen Alten Friedhof in Heppenheim. Das Areal des Ehrenfriedhofs für ausländische Tote begann an der Friedhofsmauer und ist heute von einem Teil der Nebengebäude der Trauerhalle (links), der rechts anschließenden Grünfläche, der Bushaltestelle und der Straße überdeckt. Auch südlich der Straße befindet sich noch ein Teil des ehemaligen Friedhofsgeländes. © Götz Hartmann, Volksbund Hessen
Vorentwurf des Stadtbauamts Heppenheim, 1955. Eingezeichnet ist die projektierte Straßenverbindung zwischen Laudenbacher Tor und der Landstraße nach (Heppenheim-)Erbach, die südlich der Friedhofsmauer über den Ehrenfriedhof der ausländischen Kriegstoten (rot hervorgehoben) hinwegführt (Kopie im Aktenbestand der Landesgeschäftsstelle des Volksbunds in Hessen. Hervorhebung: Volksbund Hessen)
Am Grab der Kriegsgefangenen in Heppenheim stand seit 1945 dieser Stein, in den zum Zeichen der Herkunft der Toten aus der Sowjetunion das Symbol von Hammer und Sichel eingemeißelt ist. Der „Russenstein“ wurde nach der Verlegung des Grabes zweimal umgesetzt. Heute befindet er sich im Marianne-Cope-Garten im Stadtzentrum von Heppenheim. © Götz Hartmann, Volksbund Hessen
Diese Tafel auf der Rückseite des „Russensteins“ wurde nach der Umbettung der Toten nach Bensheim angebracht. Sie nimmt Bezug auf den ehemaligen „Ehrenfriedhof für Ausländer“, lässt jedoch das Lazarett in der Heil- und Pflegeanstalt, die hohe Sterblichkeit unter den sowjetischen Kriegsgefangenen und das Massengrab unerwähnt. © Götz Hartmann, Volksbund Hessen
Kriegsgräberstätten heute
Mit wachsendem zeitlichen Abstand zu den Weltkriegen und der NS-Herrschaft nimmt die Notwendigkeit zu, Kriegsgräberstätten wie den Friedhof bei Bensheim-Auerbach zu erklären. Nachfolgenden Generationen muss vermittelt werden, warum sie angelegt wurden und welche Toten dort begraben sind. Kriegsgräberstätten können Lernorte der historisch-politischen Bildung sein, wenn sie dazu entwickelt werden. Der hessische Landesverband im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge nimmt diese Aufgabe wahr, indem er seit 1999 die Geschichte ausgewählter Kriegsgräberstätten in Hessen erforscht und die Ergebnisse öffentlich zugänglich macht.
Die Kriegsgräberstätte Bensheim-Auerbach wurde bereits früh im Forschungsprojekt bearbeitet. In einer ersten Arbeitsphase wurden wesentliche Ergebnisse der Recherche auf einer Informationstafel dokumentiert. Die Tafel wurde am Vorabend des Volkstrauertags 2004 der Öffentlichkeit übergeben.
In der zweiten Arbeitsphase wurden ergänzende Informationen recherchiert, die über den Text der Tafel hinausgingen, und in einem Flyer veröffentlicht. Sie wurden seither in der Bildungsarbeit des Volksbunds in Hessen verwendet.
Die Forschungsergebnisse von 2004 wurden 2025 überprüft und vertieft und auf einer neuen Informationstafel dokumentiert. Dabei wurden auch weitere exemplarische Schicksale von Toten der Kriegsgräberstätte dargestellt. Rote Punkte auf einem neuen, gegenüber der älteren Version korrigierten Lageplan zeigen an, wo die Gräber dieser Toten zu finden sind. In einer Feierstunde am 27. März 2026, dem 81. Jahrestag des Einmarschs der US-Armee in Bensheim, wurde die neue Informationstafel der Öffentlichkeit übergeben.
(Zuletzt geändert: 30.03.2026)